Soziale Erziehung nach Maria Montessori

 

Definition:

 

„Soziale Erziehung“ beschreibt die Akzeptanz und den tiefen Respekt vor der von Natur gegebenen Quelle der moralischen und geistigen Werte, die von Geburt an im Kind vorhanden sind, und das Bestreben, alles zur Verfügung zu stellen, damit das Kind diese Werte entfalten kann, um seinen Platz in der Schöpfung als sozialer und unabhängiger Mensch einzunehmen.

 

Laut Montessori entwickeln sich die moralischen und sozialen Kompetenzen in aufeinanderfolgenden Phasen. Die Soziale Erziehung muss den Kennzeichen dieser Phasen Rechnung tragen. Allerdings kann man moralisches und soziales Verhalten nicht abstrakt lernen. Deshalb bilden Übung, Erfahrung und Erleben die Basis für eine wirklich soziale Erziehung.

 

Grundlagen der Sozialen Erziehung nach Montessori:

 

Zunächst sind dem Kind Liebe und Respekt entgegenzubringen, ebenso das Vertrauen, dass der „Baumeister seiner selbst“ im Kind vorhanden ist und den Erwachsenen, zu dem es einmal wird, schon in sich trägt.

Dieses Vertrauen wirkt sich auf die ganze Arbeit des Pädagogen aus:

 

- Er beobachtet das Kind und gibt ihm die Möglichkeit, nach seinem Interessen zu

arbeiten

- Er beachtet die sensiblen Phasen und stellt dem Kind das zur Verfügung, was es

benötigt, um in seiner Persönlichkeit voranzukommen

- Er bemängelt nicht die Fehler

- Er verhilft dem Kind zu immer größerer Unabhängigkeit

Ein Kind, das sich gemäß seinen Wachstumsimpulsen in voller Harmonie entwickeln konnte, nennt Montessori ein „normalisiertes“ Kind. Ein „normalisiertes“ (psychisch gesundes) Kind zeichnet sich durch ein stabiles Arbeits- und Sozialverhalten aus, das durch Selbständigkeit, Ausdauer, Konzentration und Disziplin bestimmt wird.

 

Die Basis hierfür ist die

 

Vorbereitete Umgebung:

 

Die Vorbereitete Umgebung ist ganz auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten, wobei zu beachten ist, dass sich das Material und die Raumgestaltung mit den verschiedenen Lebensphasen des Kindes ändern: 

In der Phase des sozialen Embryos (3 - 6 Jahre), welche nach der Phase des psychischen Embryos folgt (0 – 3 Jahre), sucht das Kind den sozialen Austausch und knüpft bzw. löst Beziehungen in seiner Umwelt.

 

Die vorbereitete Umgebung im Kinderhaus trägt wesentlich dazu bei, dass das Kind seine sozialen Kompetenzen entfalten kann.

 

Die Übungen des täglichen Lebens sind ein wichtiger Bestandteil der sozialen Erziehung. Arbeiten im Haushalt werden positiv erlebt und das Kind fühlt sich in seinem Bedürfnis diese Dinge zu erlernen ernst genommen und erhält dadurch Selbstvertrauen. Im Kinderhaus lernt es also, für alles selbst zu sorgen und mit anderen Kindern zusammenzuarbeiten.

 

Die Beschaffenheit des Materials (Sinnesmaterial sowie Übungen des täglichen Lebens) begünstigt die Polarisierung der Aufmerksamkeit (tiefe Konzentration), so dass eine „Normalisierung“ des Kindes stattfinden kann. Das gesamte Montessori-Material ist so hergestellt, dass es den Bedürfnissen des Kindes in seiner jeweiligen sensiblen Phase entspricht. Denn ein Kind, das in seinen Bedürfnissen ernst genommen wird, fühlt sich geliebt und verstanden und kann diese Gefühle auch auf seine Mitmenschen übertragen. Auch das Mobiliar ist selbstverständlich der Größe der Kinder angepasst.

 

Wie auch in der Schule ist das Montessori-Material jeweils nur einmal vorhanden, damit das Kind lernen muss, Absprachen zu treffen und einzuhalten, zu warten, Rücksicht zu nehmen, usw.

 

Ein wichtiges Bestreben der vorbereiteten Umgebung ist immer, die Selbsttätigkeit des Kindes zu fördern. Außerdem werden die Kinder niemals gezwungen, eine bestimmte Arbeit zu erledigen, sondern haben freie Wahl der Tätigkeit. Dies führt zu immer mehr Selbstkompetenz und damit auch zu immer mehr Sozialkompetenz - u.a. auch dadurch, dass die Kinder so Rücksicht nehmen müssen, denn „die Freiheit der Kinder hat als Grenze die Gemeinschaft“.

 

Wichtige Grundlage für die Entfaltung der sozialen Kompetenzen sind die altersgemischten Klassen in der Grundschule. Dies entspricht auch mehr oder weniger dem natürlichen Umfeld des Kindes. Die großen Kinder helfen den Kleinen, es gibt keinen Wettkampf. So lernen die Kinder, Rücksicht auf den Schwächeren zu nehmen und können hierdurch auch ihre Grenzen und Möglichkeiten umfangreicher testen und erleben.

 

Rituale und Regeln bieten Sicherheit und Geborgenheit, beides wichtige Grundvoraussetzungen für den Erwerb sozialer Kompetenz.

 

Natürlich sollten sich die sozialen Verbindungen nicht nur auf die Schule begrenzen. Vielmehr sollte das Kind immer auch die Möglichkeit haben, andere soziale Erfahrungen (wie z.B. in anderen Kinderhäusern, Museen etc.) zu machen.